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Aus ihr wurde der am meisten tabuisierte und dämonisierte Aspekt der großen Göttin. Vielleicht ist die Annäherung an diese Gestalt der Göttin am schwierigsten, überformt von Klischees und verzerrenden Legenden, die schon vor unserer europäischen Zeitrechnung entstanden und bis heute fortdauern.
Die Alte ist nicht nur eine ausgegrenzte Gestalt, ihr Herrschaftsbereich war schon immer das Aussen, das Land jenseits des Sichtbaren, die Anderswelt. Nur wurde dieses Land nicht immer so negativ bewertet wie heute. So war die Ab-Grenzung nicht gleich die Aus-Grenzung die wir heute gewöhnt sind, wenn es um Themen wie den Tod, das Alter, das Unsichtbare geht.
Die Alte wird zwar so genannt, aber sie erscheint unter jedem ihrer Namen wechselhaft. Sie ist mal alt, mal jung und schön, von einem Moment auf den anderen. Auf die innere Weisheit kommt es an, die das "alte" an ihr ausmacht, eine Kenntnis des Lebens und der Welten jenseits davon, die mit dem Äusseren nichts zu tun hat.
Die Tiere der weisen Göttin, die im englischen "Crone" genannt wird, sind Raben, Schlangen, Eulen und Nachttiere. »Hunde und Wölfe (ext. Link)* sind die Begleiterinnen der Hel. Die Spinne ist auch eins der Tiere, die die Alte symbolisiert, die Grossmutter Spinne, die das Netz des Lebens spinnt.

Mit ihr ist das Überliefern verbunden, das Erneuern. Von den weisen Alten geht das Wissen über in die Hände der Jungen, und die alte Göttin ist es, die die Tore des Todes hütet. Ist kein Widerspruch, denn auch so'n Spruch besagt: "Nichts geht verloren". Auf der Reise durch die Welt der Toten wird alles verwandelt und wieder geboren, in der Mitte des Winters gebiert die Alte Alles, was vergangen ist neu, und im Frühling kommt es wieder aus ihrem Reich an die Oberfläche.
Einige Mythen haben den Tartarus oder wie auch immer das Reich der Toten genannt wird, einem Gott unterstellt, dem Hades in Griechenland oder Pluto in Rom. Da begannen auch Vorstellungen Raum zu fassen, daß dort die Leute entweder glücklich sind oder leiden. Und da ist schon die Frage: Wie lange leiden sie denn, und wann kehren sie zurück? In griechischen Mythen kann ich lesen, daß es einen "See des Vergessens" gibt, aus dem die Toten trinken, damit sie sich nicht im nächsten Leben erinnern. Und ich kann von Sysiphos lesen, der immer wieder seinen Stein den Berg hochwalzen muss, niemals endend. Hier bekämpfen sich schon zwei Vorstellungen von der "unteren Welt" und es passt nicht mehr so ganz zusammen. Die ursprünglichere wird wohl die Version mit der Wiedergeburt gewesen sein. Najo, ist nicht weiter schlimm, aber so wie ich das sehe, ist das nicht ganz logisch. Für mich ist die Unterwelt nicht unbedingt unten oder was schreckliches, sondern das "grosse schwarze Loch", die Vagina der Verschlingerin, der Kessel der Cerridwen. In den wird sozusagen alles hereingeschmissen, umgerührt und kommt verwandelt wieder zurück ins Leben. Und dieser Kessel ist der Uterus der Unterweltsgöttin, der weisen Alten. Auf den britischen Inseln und Irland heisst sie »"Sheila-Na-Gig" - eine magere Alte, deren offene Vagina den Blick anzieht, wie ein schwarzes, verschlingendes Tor. Von den drei Nornen ist sie die "Skuld", die den Schicksalsfaden abschneidet.
Im deutschsprachigen Raum heisst sie Hel oder Percht, je nachdem ob wir mehr im Süden oder im Norden wohnen. Die Hüterin des Tores zum Tod.. kann fast Angst machen. Und sie kann hart erscheinen, kompromisslos, streng, aber nur für diejenigen, die da wohl so einiges am Tod verdrängen wollen. Die Frauen, die sich hier im »Forum tummeln, erwähnen auch ihren humorvollen Aspekt:
"Die Greisin steht natürlich auch für den "dunklen Aspekt". Viele schöne Beispiele dafür finden sich in so ziemlich allen Luisa Francia-Büchern: alte, lästernde Weiber, die sich von nichts und niemandem etwas vorschreiben lassen, ihren Spaß haben und natürlich tun, was sie wollen. Perchten, Baba Yagas, Waldfrauen, die ganze Pallette" - Morgana
"Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die/der Alte mitnichten superstreng ist. Es ist eher eine Art spielerisches Lernen, unglaublich liebevoll. Ein Erklären der Welt, voller Stolz ob dieser Schönheit, die sie in sich birgt.
Streng vielleicht in dem Maße, daß nicht jede Zugang zu diesem Wissen hat, die meint, es stände ihr zu. Da wirkt sie abweisend, hart und verschlossen. Aber sie hat doch meist ein lustiges Augenzwinkern im Gesicht." - Lupa
"ich bin so ne Alte, die Crone, nennen mich die Hexen. Selten noch ging's mir so blendend , wie beim Lesen Eurer Postings über das Alter. (Dabei geht's mir eigentlich alleweil gut, seid ich die Alte bin).
Ich persönlich genieße es sehr auf "Teufel komm raus" zu spinnen und verrückt zu sein was das Zeug hält, in keinem Kampf mehr siegen zu müssen und sämtlichen Konventionen und Zwängen die lange Nase zeigen zu können.Und aus meinem versiegten Menstruationsblut wurden auch keine Krampfadern sondern reine magische Kraft und die Falten im Gesicht stammen vom Lachen und Weinen - vom Leben halt." - Sonyana
Die Alte ist eine Spinnerin, sie spinnt und spricht in Rätseln - ja, für uns, wenn wir noch nicht auf die andere Seite geschaut haben, so wie sie. Aber nie bösartig, sondern liebevoll, kichernd, saupraktisch und ohne Respekt vor dem, was in der alltäglichen Welt von grossartiger Wichtigkeit zu sein scheint. Sie ist distanziert von der "geschäftigen Realität" und dafür umso mehr die Geistergöttin, die die Schamaninnen durch die anderen Welten begleitet.
"Meine Alte ist eine Begleiterin, die überall da auftaucht, wo es gilt, in die eigenen Abgründe und Schatten zu blicken. Wie ich damit umgeh ist wieder meine Sache, sie taucht nur auf, stellt mir ein Bein, hält mir den Spiegel unter die Nase (Scheiße, ausgerechnet jetzt, wo ich doch gerade... )und verschwindet wieder. Die Wahrheit, die unbequeme aber wichtige und befreiende. Sie schön zu nennen wäre gelogen, aber das braucht sie ja auch gar nicht sein. Sie ist wichtig und das reicht.
" - Klabauterin
Das Märchen von der »Frau Holle (externer Link)* - deren Name von der germanischen Hel kommt, ist ein Überbleibsel der Geschichte der Greisengöttin. Wenn sie die Kissen schüttelt, schneit es auf der Erde - ein Hinweis darauf, daß sie die Hel in der Unterwelt ist, deren Jahreszeit der Winter ist, wenn das Leben sich nach unten zurückzieht. In der Unterwelt aber ist gar kein Winter, es tragen die Apfelbäume, die Goldmarie und die Pechmarie pflücken ja die Äpfel ab. Vielleicht heisst es deshalb "Sommerland" bei den Keltenfreaks? Die Frau Holle führt die Goldmarie und die Pechmarie auf eine Reise durch die Unterwelt, und das auf eine nette, aber ehrliche Art und Weise, und am Ende zeigt es sich, welche die Prüfung bestanden hat. Naja, aber die Pechmarie ist am Märchenende noch lange nicht am Ende, sie kann ja draus lernen und es nochmal versuchen, wie ich die Holle kenn.
Andere Namen von ihr sind Hekate, Morrigan, Hellja, Medusa..
Text von Distel
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