
»Startseite
»Cerridwens Kessel
»Frauensymbole
»Doppelaxt

Bild: kretische Doppelaxt, von »www.matriarchat.net*
Ich habe zuerst zwei Assoziationen gehabt: Die erste ist, daß eine Freundin mir erzählte, Doppeläxte seien das Symbol der „Gugleshexen“. Ich kannte sie nicht, aber ich stellte mir vor, es seien wilde Frauen mittleren Alters, vielleicht zwischen 40 und 50 Jahre alt, mit wildem Haar und glänzenden Gesichtern, ich stellte sie mir auf einer buntbelaubten Wiese vor, wie sie lachten und ein Picknick machten. Ihre Wangen glänzten rot, ihre Augen waren mit Lachfältchen umrahmt...
Die zweite Assoziation ist: „Das tragen die Lesben“. Ich stellte mir eine Frau vor mit schwarzer Militärhose, mit ärmellosem Hemd, ihre braungebrannten Arme sind muskulös und sie sitzt auf einer hölzernen Treppe vor ihrem Bauwagen und sieht kühn aus, sie strahlt Kraft aus.
In beiden Fällen sehr angenehme Assoziationen, ein schöner Grund, eine Doppelaxt zu finden und zu tragen.. Mit solch schönen Bedeutungen verknüpft, kann dieses Symbol nur Gutes für dich bringen.
Das Symbol der Doppelaxt ist sehr alt. Schon in der Altsteinzeit tauchten Symbole auf, die Doppeläxten ähnelten. Laut Elizabeth Gould-Davis auch in Frauengräbern aus der Epoche 50 000 v.u.Z.
Bekannter ist, dass die Doppelaxt später in der minoischen kretischen Kultur ein herausragendes Kultsymbol war. Aber auch in Stonhenge wurde das Symbol entdeckt. "Die Bilder und Siegel, mit denen sie versehen wurde, setzen sie nur mit Frauen in Verbindung, nie mit Männern." schreibt Irene Fleiss auf www.matriarchat.net.
»Quelle: www.matriarchat.net*
Wir deuten sie als Symbol des Mondes, die beiden Axtblätter als die zunehmende und abnehmende Sichel. Zusammen ergeben sie den Vollmond. „Marija Gimbutas hat darauf hingewiesen, daß sich die Labrys (Doppelaxt) von Schmetterling ableite, und tatsächlich finden wir eingravierte Schmetterlinge auf einigen der frühen Äxte, während manche der reicher verzierten Äxte fast genauso aussehen wie Schmetterlingszeichnungen (Rachel Pollack)
Rachel Pollack sagt auch, daß der Name Labrys mit labria verwandt ist, was nix anderes ist, als weibliche Venuslippen. (mir kommt das Wort „Schamlippen“ nicht über die Zunge, Weigeeerung!)
Die Doppeläxte waren nie als Werkzeuge gedacht, dazu war das verwendete Metall zu weich. Also dienten die weichen Äxte nur kultischen Zwecken. Eine weitere Anmerkung einer Besucherin der Seite hier war, daß es Doppeläxte möglicherweise auch als Streitäxte der Amazonen gegeben hat. (Danke Judith)
Alrune hat mich noch im Forum auf die Doppelaxt im Kult der Inanna aufmerksam gemacht.. hier gebe ich mal wieder, was sie herausgesucht hat:
Inanna (sumerische Göttin, in Babylonien auch unter Ischtar bekannt) wurde oft mit einer Doppelaxt, einem speziellen Dolch und einem Krummsäbel dargestellt. Die Doppelaxt symbolisierte ihre Kraft Leben zu geben. Der Krummsäbel das Leben wieder zu nehmen. Ihre Priesterinnen trugen sowohl das Schwert als auch die Doppelaxt.
Hier ein Auszug aus einer sumerischen Hymne übersetzt von Roibin: Quelle: Wolkenstein/Kramer:
Inanna
Die jungen Männer, die Reifen tragen, singen zu Dir.
Die jungen Frauen und die frisierten Priesterinnen treten vor Dich hin.
Sie tragen das Schwert und die Doppelaxt.
Die heraufkommenden kurgarra-Priester erheben Ihre Schwerter vor Dir.
Der Priester, der sein Schwert mit Blut bedeckt, versprengt Blut,
Er versprengt Blut über den Thron des fürstlichen Gemachs.
Die tigi-Trommel, die sem-Trommel und die ala-Tamburine erschallen !
Mary Daly sieht weibliche Spiritualität als eine Reise in den „Hintergrund“ der „Vätergesellschaft“, was bedeutet, die Doppelmoral und das Doppeldenken zu überwinden, es zu durchschauen und damit frei und eingenmächtig zu werden.
„Weise Frauen, die zusammen reisen, merken binnen kurzem, daß einer der schwierigsten Abschnitte der Reise darin besteht, die Bedeutung des Wortes zusammen zu entdecken. Diejenigen, die bereits lange genug gereist sind, (..) können sich an die Euphorie erinnern, die uns bei der Entdeckung von Schwesterlichkeit/Schwesternschaft ergriff. Natürlich waren wir auch schon mit Frauen „zusammen“, ehe wir gelernt hatten, unsere Selbst Feministinnen zu nennen. Doch waren diese vor-feministischen Gruppierungen im Grunde Ansammlungen von Frauen statt für Frauen. Mit dem Anwachsen des Feminismus fanden sich dann einige Frauen gegenseitig, lernten sich auf neue Weise kennen. Das war der Anfang unserer rauhen Reise, die sich – für diejenigen, die durchgehalten haben, als seltsam, schwierig, unberechenbar, angst- und wuterregend, energiespendend, verwandelnd, ermutigend erwiesen hat. Für diejenigen, die durchgehalten haben, gibt es zumindest eine Gewissheit und vielleicht ist es die einzige: Wenn wir einmal so viel begriffen haben, gibt es keine Umkehr mehr.
Dennoch sind Weise Frauen, die die frühe Euphorie der Schwesterlichkeit überlebt haben, verwirrt und verblüfft, wenn sie erleben, daß fast jede Situation im Land der Väter durch Doppeldenken/Doppelträumen/Doppelfühlen verseucht ist. (..)
Wir müssen ihre das Denken fesselnde Macht brechen. (...) Zu diesem Zweck müssen wir Weisen Frauen unseren Geist/Witz schärfen, damit sie die Heiligen Doppeläxte der Amazonen werden. Der Ent-wirrende weibliche Geist ist die Labrys, die die Doppelbindungen und die doppeltbindenden Wörter, die unseren Durchbruch zum Verständnis radikaler feministischer Freundschaft und Schwesterlichkeit blockieren, durchtrennt.“ (Mary Daly, Gyn/Ökologie, eine Meta-Ethik des radikalen Feminismus, S. 386)
Damit sind wir auch schon bei der dritten neuen Bedeutung der Labrys: Als feministisches Symbol, das sich die Frauen auf den Demos auf die Wangen malten..
Nun, wissen wir auch nicht genau, ob sie früher Schmetterlinge oder Mondsicheln waren, so wissen wir doch genau, was wir selbst mit der Doppelaxt verbinden, und wenn dieses Symbol für Eine „richtig“ ist, wenn die Assoziationen stimmen, dann sollte sie sich nicht scheuen, sich mit den Kräften dieses Symbols zu stärken.
Was sind Eure Assoziationen zu Doppeläxten?
ich möchte gerne meine Assoziation zur Doppelaxt mitteilen. Meiner Meinung nach ist die Doppelaxt ein Symbol der geschlechtlichen Vereinigung. Der Stiel ist der Phallus und die Blätter links und rechts bedeuten die Schamlippen. Rachel Pollack hat damit völlig recht, daß der gleiche Wortstamm etwas gleiches bedeuten muß. Somit ist das Labyrinth zurecht das Haus der Doppelaxt, also der Tempel, in dem zu Ehren der Göttin Feste gefeiert wurden, bei denen Geschlechtsverkehr stattfand. Das Labyrinth stellt meiner Meinung nach ebenfalls die Vulva der großen Göttin dar.
Ich meine, die große Göttin sollte immer auch im Zusammenhang mit dem Männlichen gesehen werden. Was nützt die Fruchtbarkeit der Göttin bzw. der Frau, wenn sie niemanden hat, der sie befruchtet...? Nichts. Man sollte in der feministischen oder Göttinnenbewegung nicht das Männliche außen vor lassen. Der Mann sollte die Frau deshalb respektieren, da sie ihm die Möglichkeit bietet, mittels geschlechtlicher Vereinigung sein göttliches Wesen besser entfalten zu können. Und diese Gnade spendet eine Göttin doch gerne... Allerdings sollte sie eben doch auch beachten, daß ohne das befruchtende Zutun des Mannes sie niemals ihre Fruchtbarkeit leben könnte. Ihre Fruchtbarkeit wäre sinn- und nutzlos. Denn als Frauen sind wir nun mal nicht die Göttin persönlich und können uns nicht selbst reproduzieren.
Liebe Grüße
Sabine Bräuer
© Distel Juli 2001 - zuletzt bearbeitet am 8. März 2005
»Startseite
»Cerridwens Kessel
»Frauensymbole
»Doppelaxt
»nach Oben