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»die dreifache Göttin
Die frühesten menschlichen Kulturen verehrten wahrscheinlich die Große Göttin, als Gaia, die Göttin der Erde. (Gaia ist jetzt ein griechischer Name, der Name der Göttin ist heute nicht mehr bekannt. Man sagt, daß die älteste Vorstellung von ihr die der Erde selbst war, und nennt sie chtonische (=der Erde zugehörige) Göttin. Aus dieser Zeit stammten auch die Höhlenmalereien und Felszeichnungen, heute stellen wir uns vor, daß die Höhlen ihre Vagina waren, aus der alles Leben kommt und wo es wieder hingeht. Das Innere der Erde.
Später entwickelten sich mehrere Gestalten der Göttin in den gynozentrischen Kulturen des Mittelmeerraumes: Sie ist immer noch eine Göttin, aber hat drei Aspekte. (Aspekt: Ansicht - also drei Erscheinungen). Diese entsprechen den verschiedenen Gestalten des Mondes, als Neumond, Vollmond und Schwarzmond. (1)
Ich kann über die früheren Dreier-Göttinnen nicht viel sagen und noch weniger irgendetwas beweisen, wie das damals war, weiß ich nicht. Ich erzähle das auch nur so ausm Kopf aus dem, was ich in Göttinnenspiri-Büchern gelesen habe, und wie jede spirituelle Richtung hat auch Pandea so ihre Mythen. Lassen wir's also mal offen, ob das Mythos oder Wahrheit ist, und ich erzähl mal weiter:
Da gibt es die junge, wilde Göttin des Neumondes, die zum Beispiel als Jägerin mit Waffen dargestellt wird, die erwachsene Vollmondgöttin und die knochige Alte, die dem Schwarzmond entspricht. Und trotzdem ist es ein und dieselbe Göttin, die sich dahinter verbirgt.
Die Geschichte, die so erzählt wird, ist daß die Göttin auch in drei Welten zuhause ist. Die junge Göttin ist in der Wildnis zu Hause, sie ist eine junge Jägerin, hat auch oft eine Beziehung zu Pflanzen und Blumen. Das steht für das Wilde, ungezähmte, wovor viele Leute eine gewisse Angst haben. Oft gibt es Geschichten von Menschen, die ihr zu nahe kamen und dafür den ein oder anderen Pfeil im Hintern hatten. Ihre Jahreszeit ist der Frühling.
Die Vollmondgöttin ist die Göttin der Menschenwelt.. wenn man das so sagen kann, der Kultur. Sie schützt die Felder und die Siedlungen, die Liebe und Fülle und ihre Jahreszeit ist der Sommer.
Die schwarze Greisin ist weder in der Wildnis noch in der Zivilisation zu finden, sondern darunter: Sie ist die Göttin der Unterwelt, haust im Inneren der Erde und sie ist diejenige, die die Toten willkommen heißt.
Manche Autorinnen erzählen, daß die dreifache Göttin ein weltweites Muster ist, das in sehr vielen Traditionen vorkommt. Diese Ansicht lässt sich bei genauerem Hinsehen nicht halten. Daß aber die Drei eine Zahl ist, die überall mit symbolischen Vorstellungen umgeben ist, ist klar. Es ist ja möglich, daß man über Dreiteilungen generell in einfach alles eine Drei-Göttin-Geschichte hineininterpretieren kann.
Wahrscheinlich haben wir auch bei dem Bild der dreifachen Göttin in viele Pantheone etwas reininterpretiert.
So finden wir in vielen Kulturen wenn schon keine dreifache Göttin, dann doch verschiedene Göttinnen, von denen manche der Mädchengöttin, der Göttin der Reife und andere der Alten entsprechen. Kali ist zum Beispiel eine indische Göttin, die wir aus unserer Sicht als die Alte sehen, weil sie dürr und knochig dargestellt wird und ihre Kraft die Zerstörung ist. Dabei wird aber vergessen, daß Kali auch manchmal schön und füllig dargestellt wird, und starke lustvolle Energien wecken kann. So lässt sich Kali eigentlich nicht in das Dreierschema als "die Alte" hineinzwängen.
In Indien gibt es aber wieder ein eigenes Dreierschema, welches eingeteilt wird in Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung. Diesem Schema nach entspricht Kali der Zerstörung. Der Erhaltung entspricht Lakshmi, und dem Schöpferischen Sarasvati. Es ist halt nur ein anderes Schema, in dem die Göttinnen nicht jugendlich, mütterlich oder greis sind, sondern schöpferisch, erhaltend oder zerstörend.
Lustigerweise gibt es in Indien die Auffassung, daß alle Göttinnen eine Göttin sind, und daß jene drei Göttinnen im Grunde eine sind. Vielleicht stammt die Idee von der dreifachen Göttin ursprünglich aus Indien? Klar, beweisen kann ich das nicht, aber über zehn Ecken.. wäre es denkbar. Die Grundlagen dessen, was heute auf dem spirituellen/Esoterik/New Age/Neureligiösen Sektor verbrutzelt wird, haben sich oft Leute, die wir heute nur von verblichenen Schwarzweißfotos kennen, von östlichen Lehren abgeguckt. Im Jahre Achtzehnhundertnochwas. (2)
Ich möchte mal wieder fort von der Spekulation und hin zu unserem heutigen Verständnis.
Drei Schlangen
dieses wunderschöne Bild benutze ich mit freundlischer Genehmigung von Frya.
Das Bild, das vielen Dreiergöttinnen zugrunde liegt, ist Zyklus. Sowohl wenn es um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geht, als auch wenns um Schöpfung/Erhaltung/Zerstörung geht, und auch der Jungfrau/Mutter/Alte-Dreier. Da besteht eine Analogie zur Menstruation als heiliger Zyklus der Frau, die sich wandelnde Göttin kann ich als Zyklusgöttin sehen.
Interessant ist, daß man die dreifache Göttin nicht einfach den Mondphasen zunehmender Mond/Vollmond/abnehmender Mond zuordnen kann. Dabei fällt nämlich der Schwarzmond unter den Tisch. Die Menstruation oder Schwarzmondphase ist aber der Alten, der schwarzen Göttin zugeordnet. Genaugenommen hat der Mond ja vier Phasen, nämlich zunehmend, voll, abnehmend und schwarz. Wieso ist die Göttin nun dreifach? Jutta Voss meint, das leitet sich von der Menstruation der Frau her, von ihren Lebensphasen. So gibt es für den Uterus nur drei Phasen: den Aufbau der Schleimhaut(weiß), die Fülle des Blutes(rot) und den Blutfluß der Menstruation(schwarz). Ebenso wie es drei Phasen gibt: Mädchen (Menarche), Frau (menstruierend) und Alte (Menopause).
"Die sogenannte Mondgöttin ist eine Mondwechselgöttin. Der religiös verehrte Mondwechsel entspricht aber nicht den vier Phasen des realen Mondes, sondern den drei Phasen des uterinen Menstruationszyklus, der auf den Mond projiziert wurde." (Jutta Voss: Das Schwarzmond-Tabu, S. 60)
Als Zyklusgöttin macht die dreifache Göttin für viele Frauen heute Sinn. Auch wenn nicht alle von uns mit diesem Bild der Göttin klarkommen, ist es so verbreitet daß eine einfach nicht drumrum kommt. Ich persönlich habe mit der dreifachen Göttin manchmal Identifikationsprobleme, weil sie nicht völlig meiner Auffassung von Weiblichkeit entspricht, aber ich kann irgendwie trotzdem nicht auf dieses Bild verzichten. Denn Zyklus und Menstruation, auch auf den gesamten Lebenszyklus bezogen, spielt eben doch eine Rolle in meinem Leben und das Bild der dreifachen Göttin lässt sich rituell vielfältig umsetzen.
Wie ich die drei Gestalten der Göttin verstehe, findet ihr hier:
(1). nach Heide Göttner-Abendroth
(2). z.b. Helena Blavatsky, von der ich aber net viel Ahnung habe. Aber klar ist, daß vieles was heute so in spirituellen Strömungen kursiert, auf sie zurückgeht, auch weniger Schönes.. aber das vertief ich hier mal nicht.
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