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Weiß, Rot, Schwarz

Die ursprünglichen drei heiligen Farben waren Weiß, Rot und Schwarz als Symbol der Dreifachen Göttin in ihren Gestalten von Jungfrau, starkes Weib (aufgrund unserer Fruchtbarkeitsdebatte im Forum schreibe ich hier gerne "Weib" - Gruß an die Traumtänzerin - Barbara Walker möge mir's verzeihen.. ) und Greisin.

In Indien hießen diese Farben gunas oder "Strähnen". Es waren die verwobenen Fäden der lebendigen Natur, die die Göttin Prakriti darstellten, wie Kali als Gesamtheit der Naturkräfte auch genannt wurde. Die weißen Fäden von sattva, die roten Fäden von rajas und die schwarzen Fäden von tamas liefen durch jedes Leben, und zwar in der Art, wie es durch das Schicksal oder die drei Schicksalsgöttinnen bestimmt wurde, die ihrerseits wieder eine Manifestation derselben weiblichen Trinität waren.

Diese Farbsymbolik war auch in der westlichen Zivilisation weitverbreitet. Sie erscheint oftmals in Volksbräuchen und Märchen, die auf alte heidnische Traditionen verweisen. Denkt zB mal an Schneewittchen: "So weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie Ebenholz". Jutta Voss verbindet diese Farben und die dreifache Göttin mit der Menstruation und mit dem Mond: Die weiße Phase des Sichelmondes, die rote Phase des Vollmondes und die schwarze Phase des Schwarzmondes.

Kühe und Stiere als Mondtiere (wegen der Hörner) kommen in der griechischen Mythologie oft in diesen Farben vor: Der Minotaurus wechselte seine Farbe von weiß zu rot zu schwarz.

Interessant ist, daß auf den britischen Inseln das Schwarz oft durch Dunkelblau ersetzt wurde. In Wales gab es einen Kultort mit drei Steinen in Dunkelblau, Weiß und Rot. Die Steine nannten sie "die drei Frauen". (Ich muß jetzt an Färberwaid denken, und an "die Nebel von Avalon" - mögen Liebhaberinnen anspruchsvoller Literatur mir dies verzeihen - wo die Priesterinnen dunkelblaue Mondsicheln trugen.)

Heute sind die heiligen Farben allgegenwärtig. Christliche Geistliche kleiden sich in den alten Farben der Göttin, und die Symbolik wurde umgewertet. Weiß, die Farbe des Neubeginns und des Mondes, wurde zu "Jungfräulichkeit" und "Unschuld" verzerrt, Rot, die Farbe der "Vollmacht" der Reife, wurde zur Farbe der Herrscher, der "rote Teppich" wird für sie ausgerollt. Schwarz blieb vielleicht noch am meisten verschont - es ist die Farbe des Todes und des Nach - Innen - Gehens, aber die Einstellung zum Tod hat sich natürlich verändert. "Die Weißen sind die Guten, die Schwarzen sind die Bösen" - nicht nur ein Spruch Helge Schneiders über die Klaviertasten. So wurde mit der Ausgrenzung der Alten Göttin, des Todes die Symbolik des Schwarzen zu einem Ausdruck für Böses, Negatives, Trauriges. Es scheint, als seien weiß und schwarz moralische Werte - und das Rot? Die Herrscher werden nicht beurteilt: Sie sind es, die Weiß und Schwarz werten.

Wenn wir zurück möchten zur Kraft der Farben, müssen wir erst dreimal sagen: "Black is beautiful" - und solche Dinge wie "da sehe ich schwarz" sind auch nicht mehr angesagt. Holen wir das Rot runter vom Sockel, zurück zu uns - denn es ist die Farbe unseres Blutes, es ist immer bei uns und wir gehören niemandem. Und nehmen wir uns das Weiß einfach, auch ohne Jungfrauen zu sein: Nach alter, matriarchaler Definition war eine Jungfrau eine Frau, die gerade menstruiert hat: Sie hat sich erneuert, gehäutet.

Über die heiligen Farben könnte eine ganze Bücher schreiben: So oft tauchen sie auf.
Erwähnt werden müßte vielleicht noch, daß die Farben auch einen unangenehmen Beigeschmack haben können: Als Farben der "Reichskriegsflagge"/Kaiserreich ab 1871 und danach der Nazi-Flagge. Für mich ist das natürlich bedauerlich. Hätte es lieber gehabt, wenn die andere Farben genommen hätten. Wilhelm Reich meint in seinem Buch "Massenpsychologie des Faschismus" daß die Hakenkreuzflagge auch ihres dazugetan hätte um die Leute an das nationalsozialistische System zu binden. Das Hakenkreuz selber interpretierte er als kopulierendes Paar, was die Leute die ihre Sexualität unterdrücken, auf einer tiefen Ebene anspricht, und dazu eben noch die Farben, (die an das Kaiserreich anknüpfen sollten und das Schwarz/rot/gold der Weimarer Republik vergessen lassen sollten). Nun sind diese Farben, die leider Symbol für chauvinistische und faschistische deutsche Staatsgebilde gewesen sind, ein Beispiel von vielen.. Ich werde mir jedenfalls von "deutschtümelnden Idioten" die Farben der Göttin nicht wegnehmen lassen. Mutter Erde kennt keine Nationalstaaten.

Quellen:

von Distelfliege

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