
Aufgrund der vielen Vorurteile gegenüber Feminismus komme ich wohl nicht umhin, als Admin einer Seite zu feministischer Spiritualität einmal klar zu machen, was ich unter Feminismus verstehe und mit einigen Klischees aufzuräumen. Zuerst sei einigen ihre Urangst genommen:
Feminismus ist eine philosophische Haltung und eine politische Bewegung, die Ungleichbehandlung und Ungleichbewertung von Frauen beseitigen möchte. Es geht nicht darum, daß Weibliche höher zu bewerten, es geht nicht darum, eine weibliche Herrschaft statt des Patriarchats zu installieren.
Woran erkenne ich Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts?
Die Faustregel ist es, eine Äußerung über "die Frauen" zu nehmen und stattdessen "die Männer" einzusetzen. Damit erkennen wir am besten ungleiche Bewertungen auf der sprachlichen Ebene.
Beispiel: Die Germanen brachten ihren Frauen hohe Ehrerbietung entgegen.
Umkehrung: Die Germanen brachten ihren Männern hohe Ehrerbietung entgegen.
Hier sehen wir, daß "die Germanen" einschränkend nur männliche Germanen meint. Das ist eine diskriminierende Formulierung, die auf den meisten heidnischen Homepages zu finden ist. Heute.
Die größte Schwierigkeit für feministische Frauen ist es oft, anderen ihr Anliegen zu vermitteln.
Die Mechanismen zur Beibehaltung des Status quo bestehen eben darin, Unterdrückung zu verschleiern und zu vernebeln. Was übrigens auch für andere Diskriminierungen zutrifft.
Benennungen: Frauen als "Nichternährerin" der Familie schlechter zu bezahlen: "Leichtlohngruppe".
Frauen ihre sexuelle Selbstbestimmung systematisch zu entziehen: "Vergewaltiger sind fremde Männer, die aus Büschen springen" (Damit wird verschwiegen, daß 98% der Vergewaltiger Ehemänner, Freunde, Bekannte der Betroffenen sind.)
Frauen aus dem Beruf drängen: "Mutterschutz".
Männerclubs, Männerorte, Männerspielwiesen "öffentliche Orte" zu nennen.
Für wen sind diese Orte frei zugänglich? Wer kann sich dort nicht frei bewegen? Wer nicht? Warum nicht? Wem gehört die Nacht?
Auch hier ist es immer dienlich, sich eine Geschlechtsumkehrung vorzustellen: "Männer sollten nachts nicht auf die Straße gehen, sie könnten von Frauen vergewaltigt werden." "Erfolg vor dem Bundesverfassungsgericht: Männer können sich jetzt gegen Vergewaltigung durch die eigene Ehefrau gerichtlich wehren." "Auch Frauen können jetzt Mutterschaftsurlaub nehmen; Der Minister für Jugend, Männer und Familie zieht aber Maßnahmen in Betracht, um die Frauen zur Nutzung dieses Rechts zu motivieren. Bislang sind es meist immer noch die Männer, die Vaterschaftsurlaub nehmen und zuhause bleiben."
Feminismus hat sich in letzter Zeit gewandelt. Frauen haben sich gefragt, aufgrund welcher Vorraussetzungen wird eigentlich ein Unterschied zwischen den Geschlechtern gemacht? Sind Frauen und Männer überhaupt so unterschiedlich?
Was ist unser biologisches Geschlecht?
Es ist anzunehmen, daß das einfach ist: Menschen mit Brüsten und Vaginas sind Frauen. Menschen mit Penis sind Männer. Aufgrund dessen teilen wir Personen in Frau und Mann ein. stimmt nicht!!!
Wie ihr alle wißt, laufen die meisten Menschen angezogen in der Gegend herum. Ihr könnt ihre Genitalien nicht sehen - oft könnt ihr auch die Brüste der Frauen nicht sehen (weite Pullover) und auch manche Männer haben Brüste - zB mit Übergewicht. Lange Haare? Da lache ich ja. "Weiche Gesichtszüge"? Nicht unbedingt ein idiotensicheres Merkmal. kommen wir also zum augenscheinlichen Geschlecht
Aufgrund einiger äußerer Merkmale wie weichere Gesichtszüge, Bartwuchs, Hosen/keine Röcke tragen, Größe, tiefe/hohe Stimme teilen wir Menschen wirklich alltäglich in Männer und Frauen ein.
Diese Kategorie ist die, mit der wir jeden Tag, im Alltag operieren.
Sie muß mit dem biologischen Geschlecht nicht übereinstimmen!
Wenn ein solcher "Fehler" entdeckt wird, ist das oft sehr peinlich. "Oh, ich habe dich für einen Mann gehalten."
Personen, die zu wenig äußere Merkmale aufweisen, um sie als Frau oder Mann wahrzunehmen, erzeugen eine kognitive Dissonanz = sorgen für Unbehagen und Verwirrung, bis wir es schaffen, ihr Geschlecht zu bestimmen. So stehen wir mit unserem Weltbild wieder in Harmonie und haben die "gefährliche Unklarheit" abgewehrt.
Warum ist uns Geschlecht so wichtig? Um dieses augenscheinliche Geschlecht zu erhalten und zu stützen, was wir für unser Wohlbefinden und unsere Schubladen soo dringend brauchen, dazu haben wir Menschen Verhaltensweisen entwickelt, mit denen wir uns in eine "sex category" mehr oder weniger freiwillig einordnen: Das soziale Geschlecht = Gender
Hierzu zählen alle Verhaltensweisen, Eigenschaften und Assoziationen, die den Menschen kulturell und nicht "von Natur aus" so zugeordnet werden, daß sie entweder als Männer oder Frauen durchgehen.
Frauen sind sanft, Männer aggressiv zum Beispiel. Gender ist nicht natürlich. Gender ist was wir aus uns machen.
Aggressive Frauen sind unweiblich - ein Satz der die Macht von Gender beweist. Jungen weinen nicht.
Gender dient dazu, die Zweiteilung der Menschen in Frauen und Männer sozial zu untermauern. Die rigide Zweiteilung dient dazu, Männer und Frauen ungleich zu behandeln. Feminismus dient dazu, die Ungleichbehandlung abzuschaffen, deshalb muß IMO Feminismus die Wichtigkeit von Gender, von sex category bekämpfen.
Wieso Weiblichkeit spirituell erfahren, wenn Geschlecht abgeschafft gehört? Verfestigt nicht diese spirituelle Bewegung die Geschlechtsgrenzen?
Diese Frage ist eine der schwersten für mich. Mein Feminismus zielt nicht darauf ab, Geschlecht abzuschaffen, sondern die Tatsache abzuschaffen, daß dein Geschlecht etwas Wichtiges ist, wonach du beurteilt wirst!
Ich gehe privat mehrere Wege, um Feminismus zu verwirklichen:
Ich versuche aufzuklären, daß Geschlecht kulturell und nicht natürlich gegeben ist, indem ich biologisches und soziales Geschlecht trenne.
Ich versuche das Bild der sozialen Weiblichkeit zu erweitern. Gender stützt "sex category". Wenn das weibliche Gender alle menschlichen Handlungen einschließt, von Aggressivität bis zur Sanftheit, und ebenso das männliche Gender, hebt sich der Begriff von selbst auf.
Um Feminismus und Spiritualität zu verbinden, versuche ich, auf spirituellem Gebiet das weibliche Gender zu erweitern.
Frauen als starke borstige Kriegerinnen ist ein Beispiel der Bilder, die wir verwenden können, um unser Gender zu erweitern.
Drittens ist der Feminismus für mich konkreter Kampf gegen konkrete Unterdrückung. Wenn Frauen heute aufgrund ihrer Geschlechtskategorie benachteiligt werden, heißt das für mich: Verschieben wir das Abschaffen von Geschlecht auf nachher. Jetzt: Sisters unite and fight back!
Ich hoffe, daß aus diesem Text hervorgeht, daß ich weit davon entfernt bin, Männer zu hassen oder Frauen über Männer zu stellen. Im Gegenteil geht es mir darum, die übermäßige (aber unausgesprochene) grundlegende Wichtigkeit von Geschlecht bewußt zu machen, damit wir alle zusammen sie abschaffen können, und uns fortan als Menschen begegnen.
Feminismus ist nichts anderes als Bewußtmachung, die Erweiterung des eigenen Bewußtseins und damit die Möglichkeit, Dinge zu ändern.
Danke für Eure Aufmerksamkeit - und viel Spaß bei weiblicher Spiritualität, mit der Göttin in dir und mit deinen Schwestern.
von: Distelfliege
(zuletzt geändert: 25.07.01)
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