
Ja, durchaus. Die Hexe ist für viele Frauen zu einem starken Symbol, einer Idealfigur geworden. Viele von uns nennen sich moderne Hexen oder sie haben sich zumindest eine Weile lang so genannt. Weniger, weil wir meinen übernatürliche Kräfte zu haben, sondern, wie ich zum Beispiel, um sich mit der symbolischen Kraft der Hexe zu verbinden.
![]() Zaunreiterin © 2002 |
Die Hexe steht für:
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Ob die Hexe früher, heute, in dieser oder anderen Kulturen wirklich so WAR, ist in diesem Zusammenhang nicht wichtig. Die Hexe als Symbol der spirituellen Frauenbewegung ist hier gefragt, deswegen steht dieser Text auch bei den Frauensymbolen und nicht in einem ethnologischen Wörterbuch oder in einem historischen Almanach.
Die Hexe als Symbol.. ein Schimpfwort, eine Monstergestalt wird zurückerobert, und umbewertet. Eine positive Umbewertung eines allgemein negativ bewerteten Begriffs ist etwas, was eine gewisse Kraft birgt. Ich habe sozusagen für mich selbst die Definitionsmacht an mich gerissen und sehe plötzlich etwas Postives in dem Begriff "Hexe" - das kickt.
Soweit ich mich erinnere, hiess "Hexe" nichts anderes laut Kirche wie eine Schadenzauberin, die ihre Macht zum Schadenzauber dadurch erhält, daß sie mit dem Teufel persönlich in die Kiste hüpft.
Da sehen wir also: Macht. Und diese Macht wurde vornehmlich Frauen zugeschrieben. Malleus MalleficArum, hiess der Hexenhammer. Frauen - vor denen alle Schiss hatten, wow.
Hätten wir vielleicht selbst gerne Macht?
Wenn ich also hergehe und sage: "Ich bin eine Hexe"..
Und wenn ich nun weitergehe und sage: Tja, so böse sind die Hexen doch sicherlich nicht gewesen, ich hätte gerne einen Cocktail, der da besteht aus den Zutaten MACHT und Weisheit oder Heilkunst oder oder oder.. denn damit kann ich mich ja gut identifizieren..
Wenn Leute, die sich bisher recht machtlos gefühlt haben, oder die in einer Opferhaltung feststecken, sich daraus lösen wollen, oder es tun, kommt es oft dabei vor, daß "böse" oder "mächtige" Bilder, die man ansonsten im anderen Mäntelchen ablehnt, zu Identifikationsmöglichkeiten werden.
Zumindest aus der feministischen Ecke, nach dem Motto: "Hey, ich bin nicht immer so lieb, ich bin nicht lieb und schwach und sage immer jajajaja.. "
Sondern: Vorsicht, Macht, Vorsicht Neinsagerin, Vorsicht - da ist eine, die NICHT so ist wie die liebe gezähmte Jaja-Mama.
Deswegen nannten sich wohl einige nicht "Mutter Theresas" sondern "Hexen".
Ich selber bestehe nicht drauf, mich Hexe zu nennen, öffentlich zumindest nicht, aber rein privat beziehe ich eine gewisse Kraft und einen gewissen Kick daher, wenn ich mich mit einem weiblich geprägten Bild identifiziere, das auch mit Macht zu tun hat, die Hexe ist für mich ein kräftigendes Symbol.
Zum Schluss noch ein Versuch einer Definition moderner Hexen:Moderne Hexen sind Menschen, die sich auf die historischen Hexen der frühen Neuzeit in Europa beziehen und sich mit diesen identifizieren.
Die Dinge, die sie in den historischen Hexen sehen, versuchen in die heutige Zeit rüberzubringen und in ihr Leben einzubauen.
Praktisches Beispiel:
Ein Wicca bezieht sich auf die historischen Hexen, er sieht in ihnen die Vertreter vorchristlicher Relgion und versucht, eine vorchristliche Religion in der heutigen Zeit neu zu erschaffen oder zu praktizieren.
Noch ein Beispiel:
Eine Hebamme in den USA sieht in den historischen Hexen vornehmlich Heilerinnen, denen von der aufkommenden Ärzteschaft das Handwerk gelegt werden sollte, und versucht, Kräuterwissen und Volksheilkunde in ihrem Beruf auszuüben.
Noch ein Beispiel:
Eine freifliegende Hexe bezieht sich auf die historischen Hexen und sieht in ihnen die "Dorfmagierin" oder diejenigen, die sich mit Naturmagie/Kartenlegen/Hellsehen.. usw befasst haben, und versucht, das gleiche auch heute zu machen.
Mir fallen halt diese drei Interpretationen ein.. Religion, Magie und Heilkunde..
Niemand kann beweisen, welche Dinge die Hexen früher tatsächlich getan haben und ob es wirklich einen heidnischen Kult im Untergrund gab, der in der frühen Neuzeit endgültig ausgerottet werden sollte. Keine kann sagen, ob ihr Bild von der Hexe historisch richtig ist, weil wir es einfach auch hin und wieder gern "so hinbiegen" wie es uns gefällt.
Ich habe gegen das Hinbiegen auch nichts, ich entwerfe gerne das Bild der weisen Frau, der Zaunreiterin, die geheime Wege weiss und die Geheimnisse von Waldgeistern und alten Göttern kennt. Es ist dabei auch unerheblich ob es tatsächlich so gewesen ist, sondern die Hexe ist ein Symbol. Eine Quelle von persönlicher Kraft, die aus dem Wort und dem Symbol "Hexe" strömt und mit der ich mich verbinde.
Ich lege nur Wert darauf, daß man dieses Symbol nicht als historische Wahrheit verkauft, um sich vor Anderen zu legitimieren. Das wäre Betrug - oder eben eine leere Behauptung.
Die Hexe hat viele von uns angeregt und inspiriert. Und ich glaube, ihre Zeit ist noch nicht vorbei. :-)