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»die Vollmondgöttin
Ach ja, diese Überschriften. Sie ist nicht nur Vollmondin. Sie entspricht zwar der Vollmondphase. Aber eigentlich ist sie die dicke, runde Erdgöttin. Oder eben die materiellste Gestalt der dreifachen Göttin. Mater - davon kommt Materie. Materie ist diese böse, verachtenswerte Substanz, die unseren Geist daran hindert, in die endgültige Erleuchtung abzugleiten. Darum mögen viele Leute diese erdige, real-life-Göttin nicht so sehr.

Naja, die Erdgöttin - Mutter, Fruchtbarkeit, und so weiter.. ist das nicht ziemlich abgelutscht? Eigentlich wird im allgemeinen Sprachgebrauch von jeder Kultur die einen Göttinnenkult kannte, gesagt: "Und hier die Muttergöttin, die verehrt wurde, um Fruchtbarkeit zu spenden." Und da stellt sich die hier zurechtsozialisierte Frau vor: Aha, da sind sozusagen Archäologen und Historiker, die es sich zum Nebenberuf gemacht haben, mir zu sagen, wie die Natur der Frau ist, und mir eine kostenlose, vorsorgliche Schwangerschafts-konfliktberatung per TV-Dokumentation oder Geschichtsbuch zu verpassen.
Interessant ist allerdings, daß die Muttergöttinnen nicht mit schwangeren Bäuchen dargestellt werden, sondern mit grossen Brüsten und sie sind meist fett und schön. Die Artemis von Ephesos, eine berühmte Statue, hatte ein paar Dutzend Brüste. Diese Göttinnen der Fülle ernähren und lassen wachsen, bewahren, und stehen für die Fülle des Lebens. Für das Sterben und Gebären, ja da ist für mich eher die Göttin des "schwarzen Schlundes", die Alte Wintergöttin, zuständig. Paradox, Paradox. Aber wenn wir uns den Jahreszyklus anschauen, dann liegen die Neuanfänge, die Geburten im Frühling, der Winter hat sie geboren, der Tod ist der neue Anfang.. ach, ich greife vor.
Die Muttergöttin des Sommers und des Vollmondes - sie ist geniessend und erdig, sie ist so eine Art Woge auf ihrem höchsten Punkt.
Demeter in Griechenland zum Beispiel, sie kann die Fülle versiegen lassen, die Erde kahl machen, und ohne sie gibt es keine Früchte und keine Ernte. Was geboren wurde, reift heran, und die Göttin der Fülle ist diese Reife und Kraft, fette Erde, Roter Mond, Mutter Meer, Marmarameer.
Es gibt ja eine Theorie, die sagt, daß nach der Erfindung des Ackerbaus in der Steinzeit die eine, chtonische Erdgöttin von den Menschen jetzt als dreigestaltig gesehen wurde, weil ihre Welt sich ebenfalls geteilt hatte, in die Äcker und die Wildnis und das Jenseits/Erdinnere. Aber auch, wenn ich jetzt jede ihrer Gestalten in einem extra Text behandele, heisst daß nicht, daß es nicht eine Göttin wäre. Die Muttergöttin gehört zur Sphäre der hiesigen Menschenwelt, der bebauten Felder.
Im Göttinnengeflüster (Amy Sophia Marashinsky) heisst es über die Göttin Demeter:
"Der Name Demeter bedeutet "das Tor zum Geheimnis des Weiblichen". Sie wurde von den Völkern, die ursprünglich in den heutigen Gebieten Griechenlands lebten, als die Große Göttin angebetet, lange bevor die patriarchalischen Griechen die Zivilisationen, die die Göttin verehrten, eroberten und an ihre Stelle das von männlichen Gottheiten dominierte olympische Pantheon setzten. Als Große Göttin ist Demeter bekannt als Begründerin des Ackerbaus, als Schöpferin von Gemeinschaftsstrukturen und für die eleusinischen Mysterien".
Viele Göttinnen haben einen Fülle-Aspekt.. Inanna zum Beispiel hat den Menschen die Gegenstände der Kultur gebracht, Artemis wurde nicht nur als Jägerin, sondern auch als die vielbrüstige Göttin von Ephesos verehrt, Freya als Göttin mit grossen sexuellen Kräften, Eurynome nannten sie die "Göttin aller Dinge", die Yemaya ist bei den Yoruba die Personifizierung von Liebe, Fülle und Bewahren und die Mutter der Gewässer, weil sie alles Leben und alle Fülle als Gabe des lebensspendenden Wassers sehen.
Für die Völker von Peru und Bolivien, die dort vor den Inkas lebten, war Pachamama oder Mamapacha die Erde, die in ihren vielfältigen Formen verehrt wurde: Die bestellten Felder und ihre Berge waren die Brüste, die fließenden Wasser ihre Milch. Um gute Ernten sicherzustellen, wurde in der Pflanzzeit Maismehl verstreut und die Göttin mit Ritualen gefeiert. Vergaß das Volk, sie zu ehren, schickte diese Drachengöttin Erdbeben. (Aus dem Göttinnengeflüster)
Sexualität.
Saft, Fleisch, Erde, Blut. Diesseits, Liebe, Dreck. Alles was Materie ist, alles was wir anfassen. Alles was ich anfasse ist MA - Vollmond-Mama. Körper. Reif werden, prall und Auskosten, was da ist. Wir haben sie mit unseren patriarchalen Ideen aufgespalten - in die Mutter, die ihre Sexualität dem Kinderkriegen weiht, und die Hure, die Schlampe. Aber diese Göttin ist EINS. Die heilige Hochzeit ist im Sommer, am Anfang, in der Mitte.. (kommt auf die Interpretation an). Da suchte sich die Vertreterin der Göttin der Fülle einen gutaussehenden Typen aus um mit dem in die Kiste zu hüpfen. Nix Monogamie-Mama.
Die Vollmondgöttin ist die des Eisprungs, ein sexuell potentes Weib, und wenn ich mir die griechische Mythologie anschaue, wo sie die frustrierte Hera und die liebende Aphrodite voneinander abgespalten haben, erkenne ich darin die heutige Zuteilung wieder von asexueller monogamer Frau und der Nymphomanin.
Wer brachte eigentlich Demeter, als sie vom Verlust ihrer Tochter verzweifelt und verbittert war und die Erde verdorren liess, wieder zurück ins Leben? Baubo war das, die Göttin die ein runder Bauch ist, ihre Augen sind die Brüste, und sie spricht mit ihrer Vagina. Baubo und Demeter müssen eine Menge Spass gehabt haben, denn nach ihrem Treffen (auf dem es einen Haufen obszönen Spass gegeben hat) versprühte Demeter wieder ihre gewohnte Kraft und Energie, und die Erde wurde wieder fruchtbar. Die Geschichte geht in einer anderen Version so, dass Baubo Demeter nicht aufheitern konnte, aber als sie dann ihr Kleid hob und Demeter mit ihrer sprechenden Möse angrinste, war's um Demeters Traurigkeit geschehen. Die sexuelle Kraft von Frauen war in den eleusischen Mysterien heilig, steht im Symbollexikon von Barbara Walker, und es war ein Bestandteil des Rituals, daß die Teilnehmerinnen nach dem Vorbild der Baubo sich dreckige Witze erzählten und viel, viel lachten und Schweinkram trieben.
Also alles in allem: die dicke, schöne, sexuelle Göttin der Fülle des Lebens und der verrückten Menschen, die meinen, sie hätten eine Zivilisation hervorgebracht, möge sie alle auf die Erde zurückholen, die in esoterischen Sphären schweben.
Text von Distel
»weiter zur alten Rabengöttin »Die Göttin.de* - als weiterführender Link zur Göttin empfehlenswert.»Startseite
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