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Wie wurden Frauen zu Privatbesitz?

Gynozentrische Gesellschaften zeichneten sich durch matrilineare Erbfolge aus. Das bedeutet soviel wie: die Weitergabe von Wissen und der Clan-Namen geschah von der Mutter auf ihre Töchter. Die Kinder stammten von ihrer Mutter, wer die biologischen Väter waren, war mehr oder weniger egal. In manchen Gesellschaften lebten die Frauen mit den biologischen Vätern zusammen, es gab also schon teilweise was ähnliches wie Verheiratete. Ihr Platz blieb aber im Clan der weiblichen Kernfamilie. Auch die Männer gehörten mehr zur Familie ihrer Mütter als daß sie eine Familie "gründeten" mit einer Frau aus einem anderen Clan. Das ist aber von Gesellschaft zu Gesellschaft ziemlich verschieden - gemeinsam ist der Matrilinearität eben nur die Tatsache, dass von Müttern auf Töchter und Söhne vererbt wird.
Was sich als Frage dann aus heutiger Sicht ergibt: Wer war denn dann den Kindern ein männliches Vorbild? Ganz einfach: Sehr oft die Onkel. Sie hatten auch ihren Hauptwohnsitz meist im Clan ihrer Mutter. Ihre Kinder, die Kinder in ihrem Haus, waren die Kinder ihrer Schwestern. Wie genial einfach!

Als sich die Erbfolge vom Vater herleitete, erwuchsen daraus große organisatorische Probleme. Diese total bescheuerte Idee, daß es wichtig ist, wessen Sperma zur Befruchtung führte, zwang die Menschen zu irrsinnigen Maßnahmen.

Kinder kommen aus deinem Bauch raus. Es ist glasklar, von "wem das Kind ist." Von dir! Was ist aber, wenn wichtig ist, von welchem Mann das Kind ist? Wie kannst du es denn beweisen? In alten Zeiten gab es keine genetischen Vaterschaftstests, und daher beschloß Mann, die Frauen zu überwachen und in die Sphäre des "eigenen" Hauses einzusperren, um die Garantie zu erhalten, daß der Nachwuchs "von ihnen" ist. Tabus wurden errichtet, der Straftatbestand des "Ehebruchs" wurde erfunden. Genau hier liegt auch die Erklärung, warum ein Fremdgehen von Frauen unter Todesstrafe stand, während Männer herumvögeln konnten, wie sie wollten. Denn der Frau entstehen die Folgen, sie könnte ja ihrem Besitzer ein "Kuckucksei" ins Nest legen.

Als ich diese Erklärung zum ersten Mal gelesen habe, fiel es mir wie Schuppen von den Augen.. Warum die Frauen eingesperrt sind, warum sie durch ihre Kinder, die sie lieben, sich an den Mann binden mußten, dem die Kinder ja gehören.. Und dann steht in den Geschichten geschrieben: "Sie schenkte ihm einen Sohn." Warum haben Männer sich genommen, was ihnen nicht gehört? Wieviel Leid ist daraus entstanden? Wieviel Aufwand mußte betrieben werden, die halbe Menschheit in einer quasi-Gefangenschaft zu halten, nur um sicher zu sein, daß dieser kleine Mensch, dieses Kind, mit den klaren Augen, "sein" Fleisch und Blut ist?

Stellt euch vor: Dein geliebtes Kind, dieses Wunderbare, dieser neugierige, offene, schöne Mensch, ist nicht "von dir". Hast es jahrelang geliebt, und plötzlich haßt du es. Plötzlich siehst du nicht mehr, was du vorher geliebt hast? Wie irrational können Menschen sein, daß auf solchen Vorraussetzungen ganze Gesellschaften aufgebaut werden?

Ich denke, aufgrund solch gravierender logischer Mängel innerhalb eines männerzentrischen Weltbildes müssen wir diese Einteilung schleunigst revidieren. (Toll, wie verklausuliert frau das ausdrücken kann, hm?)

Was noch in diesem Zusammenhang interessant ist: Es kursiert ja die Theorie, dass ab da, wo der Zusammenhang zwischen Zeugung und Schwangerschaft bekannt wurde, das Patriarchat begann. Ich halte diese Theorie offen gesagt für Schwachsinn. Es gab noch sehr lange nach der Entdeckung des Zusammenhangs von Sex und Schwanger werden matrilineare Gesellschaften. Nur weil die Menschen wussten, dass Männer Frauen schwängern können, folgt ja nicht gleich daraus, dass Männer ihre genetischen Abkömmlinge für wichtiger halten als ihre sozialen Kinder. Und der ganze Aufwand des "Frau einsperrens" war sicher auch nicht von gestern auf morgen möglich, nicht bei bestehenden sozialen Strukturen die völlig anders sind.

Für mich heisst das: Nur weil man(n) weiss, dass man(n) an der Zeugung irgendwie beteiligt ist, muss man noch lange nicht auf die Idee kommen, Frauen einzusperren. Aber sobald sich die Erbfolge vom Vater auf seine biologischen Kinder durchsetzt, muss man(n) es logischerweise tun, will man(n) sicher sein..

Meinem persönlichen Geschmack nach ist es eh wichtiger, wer die sozialen Eltern von Kindern sind, als wer die biologischen Eltern sind.

Distelfliege, 2001

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