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Die Schlange

Ouroborus. Midgard-Schlange. Das Auryn. Die Unendlichkeit. Häutung. Gespaltene Zunge. Weisheit. Kundalini. Drachin. Boa. Weltenschlange. Transformation. Phytia. Boreas. Ophion. Gift. Gegengift. Medusa. Die Schlange beisst sich in den Schwanz. Das Universum. Menstruation. Windungen. Spiralen. Der Teufel. Heilung. Schutz. Die Seherinnengabe.

"Am Anfang war Eurynome, die Göttin aller Dinge.
Nackt erhob sie sich aus dem Chaos. Aber sie fand nichts festes,
worauf sie ihre Füße setzen konnte.
Sie trennte daher das Meer vom Himmel und tanzte
einsam auf seinen Wellen. Sie tanzte gen Süden,
und hinter ihr erhob sich der Wind.
Sie wandte sich um und erfaßte den Nordwind und rieb ihn
zwischen ihren Händen. Da war es Ophion, die große
Schlange. Eurynome tanzte wild und immer wilder, bis
sich Ophion um ihre göttlichen Glieder schlang und sich
mit ihr paarte. So wurde sie vom Nordwind schwanger.
Dann nahm Eurynome die Gestalt einer Taube an, ließ sich auf
den Wellen nieder und legte zu ihrer Zeit das Weltei.
Auf ihr Geheiß wand sich Ophion siebenmal um das Ei, bis es ausgebrütet war und aufsprang. Aus ihm fielen alle Dinge:
Sonne, Planeten, Sterne, die Erde mit ihren Bergen und Flüssen,
ihren Bäumen, Kräutern und lebenden Wesen."

Zitiert aus: Heide Göttner-Abendroth: Die tanzende Göttin. Prinzipien einer matriarchalen Ästhetik

Die Schlange ist eins DER Tiere vieler Göttinnen. Sie hat viele Namen, und viele Mythen. Im "schwarzen Netz" bei www.sungaya.de fand ich zb. diesen:

Jupiter und die Schlange

Als Jupiter seine Vermählung feierte, brachten ihm alle Tiere Geschenke dar. Auch die Schlange kroch in den Himmel und trug eine Rose im Munde; doch als Jupiter sie erblickte, sprach er: "Gern und freudig nehme ich die Geschenke der übrigen an, aber von dir will ich nichts haben."
(Fabel von Äsop)

Entweder man hasst sie oder man liebt sie. Gleichzeitig das Heiligste und das Verfluchteste, die Schlange lässt keine kalt. Selber schuld, der Jupiter, denn die Schlange verleiht Weisheit und die Seherinnengabe, z.B. Kassandra von Troja, der der Sage nach eine Schlange ins Ohr züngelte, wodurch sie die Fähigkeit erhielt die Zukunft zu sehen.

Es ist nun schon lange her, da lebte ein König, dessen Weisheit im ganzen Lande berühmt war. Nichts blieb ihm unbekannt, und es war, als ob ihm Nachricht von den verborgensten Dingen durch die Luft zugetragen würde. Er hatte aber eine seltsame Sitte. Jeden Mittag, wenn von der Tafel alles abgetragen und niemand mehr zugegen war, mußte ein vertrauter Diener noch eine Schüssel bringen. Sie war aber zugedeckt, und der Diener wußte selbst nicht, was darin lag, und kein Mensch wußte es, denn der König deckte sie nicht eher auf und aß nicht davon, bis er ganz allein war. Das hatte schon lange Zeit gedauert, da überkam eines Tages den Diener, der die Schüssel wieder wegtrug, die Neugierde, daß er nicht widerstehen konnte, sondern die Schüssel in seine Kammer brachte. Als er die Tür sorgfältig verschlossen hatte, hob er den Deckel auf, und da sah er, daß eine weiße Schlange darin lag. Bei ihrem Anblick konnte er die Lust nicht zurückhalten, sie zu kosten; er schnitt ein Stückchen davon ab und steckte es in den Mund Kaum aber hatte es seine Zunge berührt so härte er vor seinem Fenster ein seltsames Gewisper von feinen Stimmen. Er ging und horchte, da merkte er, daß es die Sperlinge waren, die miteinander sprachen und sich allerlei erzählten, was sie im Felde und Walde gesehen hatten. Der Genuß der Schlange hatte ihm die Fähigkeit verliehen, die Sprache der Tiere zu verstehen.

Quelle: Gebrüder Grimm: Die weisse Schlange

Die Schlange und die Wiedergeburt
Sie häutet sich und hütet damit die Kräfte der Selbsterneuerung und der Wiedergeburt. Sie weiss um die Häutungen, um die Sicherheit einer harten, schützenden Schuppenhaut und der Notwendigkeit, sie abzustreifen wenn sie zu klein wird, und als weiches, glänzendes und junges Wesen neu zu erscheinen.

Die Schlange als Heilerin

Die Schlange hütet das Geheimnis der Heilung. Viele von ihnen sind giftig, und trotzdem verstecken sich in ihrem Gift starke heilkräftige Substanzen. Die Schlange als Heilerin windet sich heute noch um den Äskulapstab der ärtzlichen Zunft. Im römischen Reich gab es Heiltempel, die Asklepien (dem Äskulap geweiht) in denen Äskulapnattern gehalten wurden. Von einem solchen Heil-Ort kommt der Ortsname Schlangenbad (externer Link) Es gibt auch das Sternbild "Schlangenträger" welches mit Äskulap in Verbindung gebracht wird. Der Schlangenträger ist gleichzeitig das "geheime 13. Tierkreiszeichen" ohne dessen Berücksichtigung, wie meine Tante mal erwähnte, (Ich selbst habe von Astrologie keinen Plan), Horoskopen das "gewisse Etwas" fehlt.

Weltenschlange

Weisheit, Unendlichkeit und Heilkräfte. Das Universum: Die Weltenschlange kenne ich als Ouroborus und als die Midgardschlange. Sie umschlingt die Welt. Sie ist der Kreislauf der Welt, das Zyklische. In der Unendlichen Geschichte von Michael Ende sind auf dem Auryn, dem Amulett der kindlichen Kaiserin, zwei Schlangen abgebildet, eine schwarze und eine weisse, die sich in den Schwanz beissen.


Die Weltenschlange - Bild © Distelfliege 2003

Die Schlange und die Drachin können in vielen Mythen austauschbar sein, zum Beispiel in China wird zwischen diesen beiden kaum ein Unterschied gemacht. Beide sind ein Symboltier des Ur-Chaos.

Schlange und Elemente
Meer-Schlange - Eine grosse Schlangen/Drachengöttin ist die Vor-Babylonische Tiamat. Sie steht für die chaotische Matrix in deren Kreativität alles entsteht. Nach dem babylonischen Gründungs-Mythos wurde sie von Marduk getötet und zerstückelt, und aus ihr die Welt erschaffen. Eine seltsamer Schöpfungsmythos, in dem die Schöpferin - die Chaos-Schlange als Lieferantin der "Grundsubstanz" abgewertet wird und der Akt des zerstückelns, in Schubladen steckens und hierarchisch ordnens als der eigentliche Schöpfungsakt umgedeutet wird.

Erdenschlange - Die Schlange wurde auch oft als Wesen der Unterwelt betrachtet. Ein Wesen des Erdinneren. Die Hüterin der Schwelle zum Land der Toten. Sie bewacht unterirdische Schätze, vielleicht begegnet ihr einer Schlange - Hüterin wenn ihr eine Trancereise in die Unterwelt macht. Kommt oft in Märchen vor.

Feuerschlange - Die feuerspeiende Drachin oder die feurige Kraft der Kundalini-Schlange, die sich im Becken der Menschen zusammenringelt und die, wenn sie sich der Wirbelsäule entland nach oben schlängelt und entfaltet, zur Erleuchtung führen soll. Die sexuelle Energie.

Himmelsschlange - In Südamerika gibt es Mythen der gefiederten Schlange - wobei ich mich noch nicht damit beschäftigt habe. Die Schlange als Regenbogen.

Kleine Unterbrechung: Horror

Wir unterbrechen diesen langatmig-Spirituell-salbaderischen Text mit einer kleinen Geschichte. Nämlich die, wie Phythons töten. Es ist, denke ich, eine der unangenehmsten Arten, zu Tode zu kommen: die Phythons sind keine Giftschlangen, sondern töten ihre Beute durch Umschlingung. Sie legen einige Körperwindungen um die Beute herum, und jedes Mal, wenn das Opfer ausatmet, ziehen sie ihre Schlingen fester, so daß es nicht mehr einatmen kann. Nur noch Ausatmen, bis das Opfer erstickt. Die australische Netzphython ist die größte Schlange überhaupt. Sie wird bis zu 10 m lang.

Männlich oder Weiblich?

Kannste nicht sagen! Die Schlange die den Menstruations-Blut-Fluss darstellt ist bestimmt so weiblich wie nichts anderes, es gibt auch phallische Schlangensymbolik. Oft erscheint die Grosse Göttin eben nicht in Begleitung eines Gottes, sondern einer Schlange. *Ätschbätsch @ GottGöttinfans*
Feuerdrachinnen und Solare Schlangen, sich im Schlamm windende Chaos-Schlangen und Meeresungeheuer, die Midgardschlange als die Grenze der Welt, die Schlange am Weltenbaum, sie kann das Geschlecht und ihre Bedeutung wechseln wie andere die Hemden oder Unterhosen. Sie ist die Göttin selbst, wenn sie das Schlangenei der Wiedergeburt legt, und bei den Christen der Teufel der sich um den Baum der Erkenntnis schlängelt. Lustig eigentlich, die Märchen und Mythen von Schlangen die Weisheit und Erkenntnis bringen, und gerade in der Bibel genau das selbe. Nur eben negativ gewertet.

Persönliches

Ich sehe die Schlange zuallererst als weibliches Symboltier, als Schlangengöttin. Sie ist für mich die Weisheit, die Verwandlungsfähigkeit und eine sehr starke Kraft, eine ruhige Kraft wenn sie sich spiralig zusammenrollt und eine feurige, starke Kraft wenn sie sich windet und durch die Lüfte fliegt, oder durchs Meer taucht. Sie ist eine Ältere, aber gleichzeitig eine Schwester. Ihre Haut ist warm und ihre Schuppen wechseln die Farbe, glänzen wie Edelsteine und sind trotzdem weich und lebendig. In ihren goldenen Augen spiegelt sich das Wissen um die Welt. Sie war vorher da, sie hat das Welten-Ei ausgebrütet. In den Hügelketten sieht man ihren Rücken, wie sie als Drachin unter der Erde schläft. Die Meeresschlange schlängelt sich ständig um die Welt, und wenn du am Ufer stehst und siehst wie im seichten Wasser der Sand sich in Form kleiner Schlangen anordnet, dann liegt es an der Wellenbewegung die sie erzeugt. Der Geist des Ozeans, Yemaya's Olokun.
Zeichne eine Schlangenlinie in den Staub im Sommer, und sie spürt es als Kitzeln auf ihrer Haut, wie sie unsichtbar als Erdschlange daliegt und sich sonnt. Tanze, und sie erwacht.

Schlangentanz

Schlangen-Gang (für einen veränderten Bewusstseinszustand)

1. Beide Füsse paralell stellen, mit etwa einem Fußbreit Abstand. Öffne deinen Brustraum und stehe so gerade wie möglich.

2. Beuge deinen Oberkörper nach vorn, während du zum Zählen von 1-2-3 leicht in die Knie gehst, so daß sich die Rippen zu den Oberschenkeln hin bewegen. Der Rücken bleibt flach.

3. Schiebe jetzt deine Hüften nach vorn, und rolle den Oberkörper Wirbel für Wirbel wieder nach oben. Der Kopf richtet sich ganz zuletzt auf.

4. Wiederhole Schritt 1-3 , das heißt Oberkörper gerade nach vorn beugen und dabei in die Knie gehen. Jetzt machst du aber noch einen Schritt vorwärts mit einem gebeugten rechten Knie. Auch das linke Knie ist gebeugt etwas nach hinten versetzt, das Gewicht ist auf dem Fußballen, die Ferse ist in der Luft. Du stehst also mit dem Gewicht auf dem linken Fußballen. Wechsle jetzt auch ab, linkes Beim mit gebeugtem Knie nach vorn, das rechte bleibt hinten, ebenfalls gebeugt, das Gewicht ist auf dem rechten Fußballen. Die rechte Ferse ist in der Luft, du stehst also jetzt auf dem rechten Fußballen.

5. Atme aus, wenn du deinen Oberkörper nach vorn beugst. Atme ein, wenn du die Hüfte vorschiebst und den Oberkörper wellenartig Wirbel für Wirbel aufrichtest.

6. Bewege dich in Schlangenlinien. Denk an die Bewegungen einer Schlange, wenn du die Übung machst.

7. Singe bei der Übung den heiligen Laut O.

Aus: Luisah Teish: Jambalaya - das Zauberbuch der natürlichen Frauenkraft mit Ritualen und Meditationen. 1985
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