Kalizurück"In Mundhöhlen ungezählt sah ich der schwarzen Kali lackierte Zunge rot flattern. Hörte sie schmatzen: Ich. Zunge zeigen; ich bin. Ich trete über die Ufer. Ich hebe die Grenze auf. Ich mache ein Ende..." Aus: Calcutta, Zeichnungen von Günter Grass, Kunsthalle Bremen, 1988 |
Kali hat die Hauer einer Sau, und eine lange, rote Zunge hängt aus ihrem Maul. Rot ist die Farbe der Schönheit, des Lebens, des Blutes, der Menstruation.
"Rot, sagt der Dichter Nizami, ist auch die Seele des Lebens, und von ihr hat das Blut Farbe und Feinheit, wodurch denn Rot aller Schönheit Quelle ist.
Aus roter Erde ist er geschaffen, der Mensch, auf Hindi trägt er den Namen "admi" oder auch "adam", Anklang an das babylonische "damu", das Blut. Fruchtbarkeit verheißt das Rot und erinnert an die Menstruation der göttlichen Mutter. So ist das indische Hochzeitskleid nicht weiß, sondern rot" Quelle: Stern (Archiv) www.stern.de
In "The Magic of Kali" steht, daß Kali von Einigen für die ursprüngliche Göttin der Urbevölkerung Indiens gehalten wird, die es schon gab, bevor die Aryans einwanderten und die Veden verbreiteten.
Kali ist die herausragendste Form der Grossen Göttin, die die drei Fäden webt: Sattvas, Rajas, und Tamas.
Zu Kali und Säuen habe ich im Netz recht wenig brauchbares gefunden.
"O you with terrible fangs, cruel eyed one, roaring like a raging sow! Destroyer of life! O mother of sweet and terrifying sound, I bow to you, dweller in the cremation ground. " Quelle
Schnipsel: Krodha Kali - Vajrayogini - die wilde Schwarze:

Krodha Kali ist wohl verwandt mit Vajravarahi, der Diamanten-Sau.
Vajravarahi wird meist mit einem Schweinekopf hinterm Ohr dargestellt, es gibt aber auch eine viel ältere Statue von ihr, wo sie einen Frauenkörper und einen Schweinekopf hat. Auf dem Bild kann man den Schweinekopf über ihrem Gesicht sehen. Die anderen Attribute sind durchweg dieselben wie die Kalis. Krodha heisst ausrasten, Raserei. Die rasende Kali, hat doch was: Wie eine rasende Wildsau. Quelle
Ich glaube, daß auch oft Kali als eine hohe Göttin und die Schweine auseinanderdividiert wurden, weil Schweine ja so was ekliges sind, und nunja, muss man ja mal so sagen, eine Religion, die so ein Kastensystem intus hat, mit Reinheit und Unreinheit.. da würd ich nicht sagen, daß man dem ganzen Vedenkram so dermassen trauen kann. Die Kali der Veden und des Hinduismus ist nicht so "meins" - die ist schon patriarchalisiert, wenn man so will.
Trotzdem war die Kali immer auch eine Göttin der einfachen Leute, und manche gebildeten Leute in Indien schämen sich auch wegen dem ganzen primitiven Kult, den der Pöbel um Kali betreibt. Jedenfalls schreiben ein paar Indienreisende, daß sie sich heimlich aus dem Haus der Gastgeber schleichen mussten, um einen Kali-Tempel zu sehen, wo die einfachen Leute Ziegen schlachten für die Göttin mit der raushängenden Zunge.
Im Netz habe ich einen Artikel von einer Ethnologin über die Kathik in Indien gefunden - und zwar hier - Ihr Name ist aus dem Sanskrit khatika abgeleitet, was Metzger und Jäger bedeutet. Sie sind Schweinehüter und einige sind in den 30er Jahren mit Borstenhandel für Pinsel ziemlich wohlhabend geworden.
Auszug aus dem Text:
Hey.. die erste brauchbare Analogie! Die Schweinegöttin der Unberührbaren, ein Gesicht der Kali. Kein Wunder, daß in den hinduistischen Texten da nichts drüber steht. Dort steht eher, wie der Gelehrte der Veden die Devi anrufen soll, und welchen Schmuck der Trantriker seiner Ritualhelferin umlegen soll, bevor er sie im Namen Kalis vögelt.
Schauen wir also weiter, Kali und die Unberührbaren.. dort wo die Schweine noch nicht aus der Sphäre des Heiligen verbannt worden sind.
"Einige Adivasi-Völker konnten ihre matriarchale (mutterrechtliche) Gesellschaftsstruktur teilweise bewahren. Ein Beispiel hierfür sind die Gond, Bhil und Oraon, die in Zentralindien leben und den Frauen grundsätzlich die gleichen Rechte einräumen wie den Männern. Frauen wählen den Ehepartner selbst, können ihn wechseln und sich ohne Verlust des Ansehens auch als Witwen wieder verheiraten. Ansonsten zerstörten die Eroberer Indiens jedoch die mutterrechtlichen Kulturen der Adivasi-Gemeinschaften. Der hohe soziale Status der Frauen war ihnen ein Dorn im Auge. Sie übernahmen zwar die alte Muttergottheit Kali in den Hinduismus, verkehrten ihre Bedeutung jedoch in eine Todesgöttin." Quelle
Die Hare Krishnas, mit ihrem Guru Prabhupada, geruhen auch ab und zu im Internet zu diskutieren, mit dem Ergebnis, daß die Sudras laut Guru doch in den Wald rennen sollen und ein Tier erlegen und essen. Die Sudras, ja die poppen, und essen Schwein. Igitt. In diesem Kali-Zeitalter, sagte der Guru, ist es recht einfach, in eine primitive Sudra-Mentalität zu verfallen, und wenn die Leuts alle Sudras werden, sind sie ganz schlecht. (Sudras sind die Handwerkerkaste, also praktisch die normalen Leut). Quelle
"People here whose behaviour is pleasant can expect to enter a pleasant womb, like that of a woman of the Brahmin, the Ksatriya, or the Vaisya caste. But people of foul behaviour can expect to enter the foul womb, like that of a dog, a pig, or an outcaste woman." -- Chandogya Upanisad 5:10:7.
Übersetzung: Menschen deren Benehmen angenehm ist, können erwarten, in eine gute Gebärmutter zu kommen, wie die von einer Brahmanenfrau, einer Ksatriya, oder einer aus der Vaisya Kaste. Aber Leute mit verdorbenem Benehmen können erwarten, in eine verdorbene Gebärmutter zu kommen, wie die von einem Hund, einem Schwein, oder einer Unberührbaren. Quelle
Nunja, so weit, so gut. Nun haben wir also das Problem gelöst, die grosse Frage nach dem versteckten Schwein in der Kali. Die Frage danach, warum Kalis aussehen wie Wildsäue, aber kein Text nennt's beim Namen. Unberührbare schreiben keine Geschichte, und auch keine religiösen Bücher.
Die Schweinegöttin findest du nicht in den gelehrten Texten. Du findest sie durch die Hintertür, im Bericht einer Ethnologin, die Schweinehirten und Borsten-Exporteure in Indien besucht.
Ich möchte hier ja keine Hindus oder Tantriker, Buddhisten oder sonstwen vor den Kopf stossen. Ich kenne eure Mythen kaum - nicht mal ein hundertstel so gut wie ihr. Aber das muss ich auch nicht, denn das, was ihr habt, das such ich nicht.
Distelfliege