
Sheila na Gig ist eine in vielen englischen Kirchen dargestellte Frauengestalt aus Stein, die oft wie Kali in ihrem Todesaspekt mager und ausgezehrt aussieht, und ihre Vagina nach vorne streckt. Diese sieht aus wie ein Tor, und sie hält sie mit beiden Händen fest.

Aus Barbara Walkers Lexikon "Die geheimen Symbole der Frauen":
"Weibliche Gestalten, die deutlich ihre yoni als vesica piscis präsentieren, waren einstmals gewohnte Ausschmückungen irischer Kirchen, die vor dem 16. Jahrhundert erbaut worden waren. Normalerweise wurde die Sheila-na-gig in den Schlußstein eines Fensters oder eines Torbogens eingehauen. Zweifellos war es ein Schutzzeichen, das noch aus der vorchristlichen Göttin - Verehrung stammte. Gestalten dieser Art gab es auch in ganz Europa. Sie wurden in den Kathedralen auf den Säulenkapitellen, am Ende von Stützbalken usw. als Verzierung angebracht. Hockende Göttin - Figuren, die den Sheila-na-gigs aufs Haar ähneln, bewachten auch in Indien die Tempeltore, und alle, die eintraten, berührten die offene Yoni, um ihres Segens teilhaftig zu werden."
"Viele Sheila-na-gigs hatten denselben abgemagerten Brustkasten, den ähnliche indische Figuren der Göttin Kali in ihrem "Leichen"-Aspekt aufwiesen: Und deren Name klingt wiederum auffällig ähnlich wie der der irischen Cailleach, die bekannt ist als Erzeugerin und Verschlingerin der Welt. Die Yoni, die sie so offen präsentiert, stellte sowohl das Prinzip der Geburt wie auch des Todes dar."
Auch Kali wird manchmal mit einer hohlen offenen Gebärmutter dargestellt. Dies ist das Tor zur Erde, aus ihm kommt das Leben, und alles, was stirbt, wird von ihm eingesaugt. Die irischen Kirchenmänner versuchten, so viele Sheila-na-gigs wie möglich loszuwerden, aber noch immer finden sich einige von ihnen an ihren ursprünglichen Plätzen.


Einige Sheela-na-gigs in Kirchen sind weitaus stärker verwittert als das umliegende Mauergestein, was darauf schließen läßt, daß die Steinfiguren von den heidnischen Stätten, auf denen Kirchen oft gebaut wurden, stammen. Es gibt gleiche Statuen aus der Megalith - Kultur.
Ich bin noch keiner Sheila persönlich begegnet, aber in diversen Esoterik - Lädchen seht ihr diese Gruselgöttinnen als kleine Tonfiguren in der Auslage. Ich habe mich dabei schon immer gefragt, was sie wohl bedeuten mögen, was ihr kultureller Hintergrund ist. Zuerst fiel mir wirklich Kali ein, und erst durch die "Symbole der Frauen" von Barbara Walker wurde mir klar, daß ich gar nicht so sehr in die Ferne schweifen muß.
Das faszinierende an der Sheila-na-Gig ist, daß sie häßlich ist, daß sie obszön ist und trotzdem Würde ausstrahlt. Die Körperhaltung ist die gleiche wie in manchen pornographischen Darstellungen - und doch könnte der Unterschied nicht größer sein. Bei einem Pin-up würden die vorgestreckten Genitalien sagen: "Fick mich" - aber bei der Sheila-na-gig sagen sie: "Ich verschlinge dich" - dieses Tor des Todes, das die Vulva der Sheila darstellt, wird von der heutigen Bildersprache ignoriert und entschärft durch "Verfügbarmachen" der Frau in der Darstellung. Immer klein, immer ungefährlich, dümmlicher Blick und ein großer Busen lenkt ab vor dem gefährlichen Tor - die "Gummipuppe" kommt. Und doch reicht es vielleicht nicht aus.. Vielleicht würden einige Männer sagen, daß sie dennoch von Frauen auf Pin-ups nicht den Eindruck hätten diese seien klein und ungefährlich. Naja.. wie heißt es da in einer bekannten Werbung? "Sind sie zu stark, bist du zu schwach!" (hexisches Kichern)
Zu Sheila-na-Gigs gibt es im Internet einige interessante Seiten, die sich nur diesen Steingestalten widmen. Vor Reisen nach England oder Irland empfiehlt es sich, ein wenig nachzuforschen, denn sie sind oft klein und versteckt irgendwo im Mauerwerk. Eine gute Seite dazu ist www.jharding.demon.co.uk (Auf Englisch). Die Autorin hat zahlreiche Sheila-na-gigs bewandert und beschreibt auch, wo sie zu finden sind.
Von Distel - August 2001