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Spiralen - Die Schlangenkraft

Im Gehen der Spirale
beweg' ich mich nach Innen
und spür' mit allen Sinnen
Ins Zentrum meines Seins

Im Gehen der Spirale
verlasse ich das Alte
und leg' es in die Spalte
von Mutter Erde's Schoß

Im Gehen der Spirale
erkenne ich das Leben
und fange an zu weben
was neu entstehen soll

Songtext: © ArungaHeiden,
Album "VerWandlungen"
Webseite: »http://www.arunga-heiden.de*

Sowohl die Einzelspirale als auch die Doppelspirale gehören zu den heiligsten Symbolen des neolithischen Europa. Sie erscheinen auf megalithischen Monumenten wie Steinkreisen, Tempel, Hünengräber, Wackelsteine, Menhire - auf dem ganzen Kontinent und den Britischen Inseln. Spiralförmige "oculi" - das sind Doppelwindungen, die eine Ähnlichkeit mit Augen haben, kommen vor allem an Orten wie den Schwellensteinen von New Grange in Irland und dem Tempel von al Tarxien in Malta vor. Ähnliche Doppelwindungen kennzeichnen auch die ionischen Säulen des klassischen Griechenland.

Das »spiralförmige Labyrinth, ist ein gebräuchliches Symbol, das in ganz Europa auftritt, von Finnland nach Cornwall und von Kreta nach Chartres. Auch im nördlichen Südamerika ist es vorhanden. Spiralen stellten die Schlangenwächter der sumerischen Tempel dar.

Die Spirale ist mit der Vorstellung von Tod und Wiedergeburt verbunden: mit dem Eintritt in den geheimnisvollen Schoß der Erde, dem Vordringen bis zu seinem Mittelpunkt und dem Verlassen des Schoßes auf demselben Weg. Heilige Tänze haben diese Bewegung nachgeahmt, und deshalb verwenden so viele Volktänze, die noch aus heidnischer Zeit stammen, die Spirallinie, auf der die Tanzenden sich bewegen. Spiralfärmige Labyrinthmuster in Kathedralen wurden von älteren Kultplätzen, über die sie gebaut wurden, übernommen.
Spiralige Labyrinthe sind keine Irrgärten - es gibt nur einen Weg, hinein, zur Mitte, und wieder hinaus. Nicht nur ein Kreislauf, sondern eine Reise nach innen und eine Rückkehr nach außen. Heute denken wir beim Labyrinth nur noch ans Verlaufen. In Wirklichkeit ist es ein Initationsweg - und auf der Reise nach innen ist es leichter sich zu verlaufen, als in einem Irrgarten - auch wenn es nur einen Weg zu geben scheint.

Spiralen haben mit Schlangen zu tun, mit dem Blutfluß, sind Häutung und Erneuerungssymbol.Menschen waren schon immer von den Häutungen der Schlangen fasziniert, es hieß, die Schlange sterbe nie, sie erneuere sich ständig.

Die Spirale steht für mich für eine andere Art zu leben. In unserer Welt ist die Rede von Stufen, von Treppen steigen, nach oben, nach oben... Die Spirale steht für Kreisläufe, aber nicht als "Nur-Wiederholen", sondern der Kreis und die Weiterentwicklung ergibt zusammen die Spirale. Alles ist zyklisch, doch nichts bleibt, wie es war.

So langsam kommen wir auch auf den Punkt "Göttin". Häutung, Erneuerung, Zyklen, Schlangen, Blutfluss. Da gehts ans Eingemacht des Lebens selbst - und das Leben selbst, die Erde, der Kosmos und der Fluss der Zeit, ist die Göttin. Für mich ist die Spirale eins der stärksten Symbole der großen Göttin, so etwas wie die "Signatur" der Göttin. Die "Göttin-Community" der heutigen Zeit drückt das ganze sehr einfach aus, die Verbindung des Symbols und der Göttin. Am besten geht man zu irgendeiner Suchmaschine die eine Bildersuche hat und gibt "Spiral Goddess" ein. Oder hier gucken:

Spiralgöttin
Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

Die logarithmische Spirale
Der Nautilus, ein Kopffüssler der im Meer lebt, hat ein Schneckenhaus, welches wie eine ganz besondere Spirale geformt ist. Diese Spirale kann man "nachbauen".

Erstmal geht es los mit dem "goldenen Schnitt". Das Bezeichnet ein Verhältnis von zwei Längen zueinander, wobei die Kürzere zur Längeren sich verhält wie die Längere zum Ganzen. Würde man die Länge der Längeren durch die Länge der Kürzeren teilen, kommt die "goldene Zahl" raus. Der Wert der "goldenen Zahl" wäre: j=1+1/j=1,618034.... so irgendwie.
Interessant ist jetzt, wenn ich zwei Quadrate nebeneinanderlege, jedes hat sagen wir, die Kantenlänge 1, und obendrauf ein Quadrat der Kantenlänge 2, danach eins mit 3,5,8,13,21.. usw. (Jede Zahl ist die Summe der zwei letzten Zahlen) dann bekomme ich ein Bild wie das links. Dabei ist immer Kantenlänge des nächsten Quadrats immer die Summe der letzten beiden Zahlen. Am Anfang haben wir noch das Verhältnis 3:2 - aber je grösser die Quadrate werden, umso mehr nähern die sich der "goldenen Zahl" an, zb. 21:13=1,615384...

Was genau das jetzt mit Göttin zu tun haben soll? Ich finde es nur ungemein faszinierend, wie der "goldene Schnitt" durch die Geschichte immer wieder bemüht in der Architektur benutzt wurde, als was sehr harmonisches, und daß das eine Form ist, die natürlich vorkommt, und die einfach zu "basteln" aber mit unseren Zahlen schwer zu berechnen ist. Die Schönheit des Unberechenbaren, oder die Harmonie der Spirale abseits vom "Kästchendenken". Mathe goes Göttin!

Die kursiven Textstellen sind aus: Barbara Walker: Die geheimen Symbole der Frauen; Lexikon der weiblichen Spiritualität. (San Francisco 1988; München 1997)

Von Distelfliege 16.9.01



weiterführende Links:
What she knows (englisch) - eine Geschichte über das Hypogäum in Malta (ein neolithischer Tempel) und Spiralen.
Gefunden bei "the Old Temple Study Foundation (OTSF)"



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