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Polarity certainly exists at the atomic level, in the dance of attraction between protons and electrons - however, trying to identify one or the other as "female" or "male" is purely silly. (...) Rather than a simple, bipolar universe, we might do better to conceive of a web of forces and energies holding the cosmos in dynamic tension.
Durch heidnische Internetseiten und Bücher zieht sich ein Thema, das mich immer wieder irritiert: die Polarität zwischen Mann und Frau. Ich könnte es nicht besser formulieren als Lynna Landstreet:
One of the key paradoxes of Wiccan theology is the difference between metaphysical God and Goddess as pure, archetypal masculine and feminine, and the direct, personal gods and goddesses we deal with in ritual, who have individual personalities as complex as those of any human, if not more so.
Und damit stellen sich mir auch Fragen wie: Kann das Göttliche immer so sauber in männliche und weibliche Aspekte eingeteilt werden kann? Muß die Vereinigung des Polaren immer in heterosexuellen Bildern imaginiert werden? Und brauchen queere heidnische Wesen ihr eigenes Heidentum? Könnten queere Mythen auch für nicht-queere Menschen wichtig sein?
Damit keine Mißverständnisse aufkommen: Ich schreibe darüber aus der Perspektive einer relativ Außenstehenden. Ich habe bis vor kurzem wenn überhaupt, dann "solitary" gearbeitet. Niemand verlangt's von mir und in meinem Umkreis kenne ich eigentlich gar keine Leute, die das, was ich hier kritisiere, in Reinform praktizieren. Wahrscheinlich kenne ich eine Menge Alternativen auch noch gar nicht. (Wen's interessiert: Ich persönlich würde mich als Freifliegende mit derzeit recht ausgeprägtem Hang zur germanischen Mythologie beschreiben, die aber doch für ihre Rituale ganz gerne auf Starhawks "Hexenkult" zurückgreift.)
Dieses Essay soll so eine Art Formulierung dessen sein, was mich (an einigen Wicca-orientierten Sachen, von denen ich bisher vage etwas mitbekommen habe) irritiert, und ein Versuch, Anregungen zu formulieren :-)
Definitionen legen fest und neigen dazu, statisch zu sein. Manchmal sind sie aber notwendige Verständigungshilfen. Ich gebrauche in diesem Text einige Begriffe, die einigen Leuten wohl nichts sagen und andere, von denen verschiedene Bedeutungen geläufig sind - daher folgen ein paar solche Verständigungshilfen.
Das Wort "queer" bedeutet im Englischen ursprünglich soviel wie "seltsam, sonderbar", auch "schwul". Ferner wird es als Sammelbegriff für Leute verwendet, deren Sexualität und/oder Geschlecht sich außerhalb der normalen Heterosexualität oder des normalen Mann/Frau-Musters bewegt.
Lesben, Schwule und Bisexuelle sind nicht die einzigen, die mit "queer" gemeint sind. Der Begriff umfaßt auch noch Transgender (also Menschen, die entweder ablehnen, als Mann oder Frau kategorisiert zu werden, oder die meiste Zeit ein anderes Geschlecht leben als das körperliche, mit dem sie geboren sind) bzw. Transsexuelle (Menschen, die mit einem Geschlecht auf die Welt gekommen sind, das sie als das falsche empfinden) und Intersexuelle (wiederum ein Sammelbegriff für Menschen, deren körperliches Geschlecht nicht eindeutig ist - genetisch, anatomisch oder hormonell) .
Im englischsprachigen Raum wird anstelle von queer auch manchmal das Kürzel LGBTQ verwendet - ein Akronym für Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual/transgender und Questioning.
Der Begriff "queer" umfaßt also ein riesiges Spektrum. Ein riesiges Spektrum, das draußen bleibt, wenn wir in den eingefahrenen heterosexuellen Mann-mit-Frau-Verbindungen bleiben.

Meine Schwierigkeiten mit dem dianischen Ansatz, so wie ich ihn wahrgenommen habe, liegen weniger darin begründet, daß "das doch nicht geht", "die armen Männer" auszuschließen. Es liegt eher an meiner eigenen "sind wir nicht alle ein bißchen trans?"-Haltung. Ich fühle mich als androgyne Seele in einem weiblichen Körper und will beides haben: Weiblichkeit und Männlichkeit - und meine Unsicherheit, what the heck denn jetzt besonders männlich oder weiblich an dieser oder jener Tätigkeit sein soll, mischt dann auch noch ganz gerne mit.
Als ich zum Hexentum kam, war es nicht nur im spirituellen Bereich wichtig für mich, einen rein weiblichen Raum zu haben, um überhaupt erst mal ungestört feststellen zu können: was ist das eigentlich für eine Spiritualität, mit der ich mich als lesbische Frau wohlfühlen kann. Darüber bin ich mittlerweile hinaus - jetzt habe ich kein Problem mehr damit, ein Buch zu lesen und mich dabei mit den männlichen Helden zu identifizieren; und genauso geht es mir mit der Mythologie. Wozu nach weiblichen Bildern für alles und jedes suchen, wenn es Götter gibt, die ich leichter für mich adoptieren kann, auch wenn - oder gerade weil - sie männlich sind? Ich persönlich brauche SIE jetzt geradezu, die göttlichen Männer, als würden sie mir einen Zugang zu bestimmten Teilen meiner selbst gewähren, den ich auf anderen Wegen nicht so direkt finde. Und natürlich ist es für SIE vollkommen in Ordnung, wie ich bin - warum sollte ich Ihnen auch dieselbe Beschränktheit unterstellen wie Menschen?
Dementsprechend liegt es mir, wie ich letzthin festgestellt habe, die unendliche Vielfalt der Männer- und Frauenbilder in der Mythologie zu betonen. Unter Menschen sind Frauen mitunter voneinander verschiedener als von Männern (wie ich finde) und umgekehrt, warum sollte es bei Göttern anders sein?
Die Göttin manifestiert sich ja nicht nur als Liebende und als Mutter, sondern auch als Königin des Großen Unten (z.B. Ereshkigal), als wilde Jägerin (z.B. Artemis), als Kriegsgöttin (z.B. Morrighan), als kluge Jungfrau (Pallas Athene) - und eine einzelne mythische Figur kann in sich schon unendlich komplex sein. Ähnlich vielseitig sind die männlichen Götterbilder; für einen Lichtgott wie Apollon ist da genauso Platz wie für den geradlinigen Krieger (wie z.B. Tyr oder Ares) und für quecksilbrige Figuren wie Loki.
Die Vielheit der Göttinnen und Götter zu betonen, ist nicht der einzige Weg; ein anderer liefe letztendlich auf Pantheismus hinaus: zu betonen, daß letztlich alle Gottheiten eins sind, ob wir sie nun in weiblichen oder männlichen Figuren manifestiert sehen. Welches man davon bevorzugt, ist Geschmackssache.
Nun ist es auch gesellschaftlicher Mainstream, Heterosexualität als "die Regel" anzunehmen und stillschweigend vorauszusetzen, während andere Formen von Sexualität (homo/bi/trans/...-sexuell) als Abweichung und Sonderfall gesehen werden. Heterosexualität wird so dargestellt, daß sie ursprünglich ist, der Fortpflanzung dient, natürlich ist, während Homosexualität "das spätere" ist, irgendwie "nicht natürlich" (so wird gerne argumentiert, daß Homosexualität unter Tieren nicht oder nur nicht in freier Wildbahn vorkomme - was mittlerweile widerlegt ist) und keine Kinder zeugen kann.
Es ist m.E. nur als therapeutische Maßnahme sinnvoll, sich in rein queere Kreise zurückzuziehen. Irgendeine Vorannahme ist immer getroffen. Die kann auch sein, daß eine Lesbe weibliche Gottheiten oder Aspekte zu bevorzugen hätte oder irgendwie "männlicher" ist als eine Hetera (diese Denkungsart ist auch in Homo-Kreisen anzutreffen).
Dazu kommt, daß das ja hieße, die sexuelle Präferenz als wesentliches Identitätsmerkmal über andere zu stellen - es sei denn, ich suche mir Leute zusammen, die in allen Merkmalen, die ich für wichtig halte, mit mir übereinstimmen UND bei denen dann die Chemie noch stimmt. Wofür ich die Wahrscheinlichkeit einfach für sehr gering halte. Und: es wäre schon wieder ein Sonderraum.

Gar keine Vorannahmen zu treffen, ist m.E. nicht möglich. Aber es ist machbar, sie gelegentlich zu hinterfragen und zu überdenken.
Die Fragen, die ich mir da stelle, lauten: Wie komplementär denken wir eigentlich "Männliches" und "Weibliches"? Sind sie nur und notwendigerweise aufeinander bezogen? Oder könnten wir sie als Sphären von eigenem Recht denken? Erfordert das unbedingt, eine scharfe Trennlinie zwischen "männlich" und "weiblich" zu ziehen?
Was ist mit den homosexuellen Mythen, wie dem von Zeus und Ganymed, dem von Artemis und ihren Nymphen, von Apollo und Hyakinthos, und natürlich der nicht ganz so mythischen Geschichte der Amazonen? Könnten die ihren Platz in unseren Ritualen finden, wenn ja, wie?
Und was ist mit den nicht-sexuellen Ausprägungen von Polaritäten und nicht-sexueller Verbundenheit, wie in Familien- und Freundschaftsbeziehungen - sind die es nicht auch wert, gefeiert zu werden?
Die Gretchenfrage nun: Müssen queere Heiden unter sich sein, um gleichgeschlechtliche Anziehung zu würdigen und zu feiern? Oder könnten wir sie in den heidnischen Mainstream mit einbringen, als eine von so vielen Möglichkeiten, zu lieben? Muß ich mir auf Dauer von Heteros anhören: "Ach nee, das geht uns nichts an, macht ihr mal, aber laßt uns außen vor"?
Ich persönlich möchte nicht schon wieder das Sonderreservat, sondern lieber mit ganz verschiedenen Menschen zusammenkommen und meinen eigenen Weg quer durch die Wildnis zwischen den Schubladen finden.
Thursa / Ryuu © 2007
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